Zweideutiges Geschlecht Forschungspapier

Words: 801
Topic: Medizinische Ethik

Auch ohne den Sozialisierungsprozess ist es wohl möglich, dass eine Frau in einem männlichen Körper geboren wird und umgekehrt, wie Dreger (2009) angibt

Aus biologischer Sicht wird jedoch durch den Begriff des biologischen Geschlechts ein dritter Blickwinkel in die Debatte über Geschlecht und Gender eingeführt. Die Planned Parenthood Federation of America (PPFA) (2012) definiert das biologische Geschlecht als den physischen und psychischen Zustand, der “eine Person als … weiblich, männlich oder intersexuell identifiziert”.i Die Hormone, Chromosomen und die sexuelle Anatomie einer Person tragen alle zum biologischen Geschlechtsstatus bei.

Die Chromosomen spielen eine wichtige Rolle für das gesamte biologische Geschlechtsszenario, da eine XX-Chromosomenkombination biologisch weibliche Nachkommen hervorbringt, während eine XY-Chromosomenkombination biologisch männliche Nachkommen hervorbringt. Wie PPFA (2012) jedoch feststellt, passen die menschlichen Nachkommen manchmal nicht in die XX- oder XY-Chromosomenkombination, was zu einem uneindeutigen Geschlechtsszenario führt (d. h. der Nachwuchs ist weder vollständig männlich noch vollständig weiblich).

Ein Kind, “das bei der Geburt eine Mischung aus männlichen und weiblichen Fortpflanzungsstrukturen aufweist, so dass nicht klar ist, ob es sich um ein männliches oder weibliches Individuum handelt”, wird als intersexuell bezeichnet.ii In einigen Fällen kann eine intersexuelle Person jedoch vollständig weibliche oder männliche Fortpflanzungsorgane haben, aber ihre biologischen Variablen (d. h. chromosomales Geschlecht, Hormone und innere Fortpflanzungsorgane wie Gebärmutter, Eileiter, Samenblasen und Prostata) können miteinander in Konflikt stehen.

In diesem Aufsatz geht es um die Ethik von Ärzten bei der Behandlung von Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen. Das Papier verwendet das Beispiel von Eads, einem weiblichen zu männlichen Transgender, der zwar nicht angab, bei der Geburt intersexuell gewesen zu sein, dem aber eine Behandlung verweigert wurde, weil er nicht den kulturellen Erwartungen an einen Mann entsprach – zumindest, weil er Eierstöcke hatte, die auch der Grund für seine Behandlung waren.

Auch wenn solche medizinischen Praktiken ethisch fragwürdig sein mögen, lässt sich doch argumentieren, dass der Arzt das Beste für das künftige Wohlergehen des Kindes im Sinn hatte und die rekonstruktive Operation nicht aufgrund dessen durchführte, was Dreger (2009) “ein Kind in seinem Team und seinem Paradigma willkommen heißen” nennt.iii

Die ethische Frage ergibt sich jedoch aus der Tatsache, dass das Kind in diesem Alter nicht in der Lage ist, für sich selbst Entscheidungen zu treffen, und aus den Annahmen des Arztes darüber, was das Beste für das Kind ist. Das Hauptproblem in solchen Fällen ergibt sich aus der Frage, ob es ethisch vertretbar ist, eine Geschlechtsumwandlung bei einem Kind vorzunehmen, das nicht in der Lage ist, eine informierte Zustimmung zu geben.

Wie sich in aufstrebenden Aktivistenorganisationen wie der Intersex Society of North America zeigt, ist nicht jedes Kind, das eine geschlechtsangleichende Behandlung erhält, im Erwachsenenalter glücklich oder zufrieden mit seinem Status. In solchen Situationen stellt sich die Frage: Wäre es für Mediziner ethischer, die Entscheidung über die Behandlung von Fällen mit uneindeutigem Geschlecht den Betroffenen zu überlassen? Schließlich wüssten sie dann besser, welches Geschlecht sie im Erwachsenenalter annehmen wollen.

Insbesondere das Protokoll zur “Behandlung” von “Pseudohermaphroditen” wurde in den 1960er Jahren auf der Grundlage der Überzeugung angenommen, dass Kinder unter 18 Monaten erfolgreich gegen uneindeutige geschlechtsbezogene Zustände behandelt werden können. Die Operationen mussten jedoch durch andere medizinische Behandlungen wie Hormontherapie ergänzt werden (Hyde & Delamater, 2006)iv.

Seit den 1990er Jahren sind jedoch Menschen, die sich einer “Behandlung” unterzogen hatten, aufgetaucht, um gegen die Entscheidungen zu protestieren, die Ärzte und Eltern für sie getroffen hatten, als sie noch Babys waren. Wie Hyde und Delamater (2006) feststellten, argumentieren diese intersexuellen Menschen, dass es sich bei dem uneindeutigen Geschlecht um eine “genitale Variabilität” und nicht um eine “genitale Anomalie” handelt.v Als solche stellen sie nicht nur die Angemessenheit der an ihnen vorgenommenen Behandlungen in Frage, sondern auch die fortgesetzte Anwendung solcher Behandlungen bei Kindern, die gegen die von Erwachsenen für ihren Körper getroffenen Entscheidungen keinen Einspruch erheben können.

Obwohl der Fall Eads eine fiktive Geschichte war, ist es bedauerlich, dass ähnliche Vorfälle in der Realität vorkommen. So ist beispielsweise dokumentiert, dass “29 % der Trans-Personen von einem Arzt oder einer Krankenschwester die Behandlung verweigert wurde, weil sie ihre Geschlechtsumwandlung nicht befürworteten”.vi

Referenzen

Dreger, A. (2009). Geschlechtsidentitätsstörung in der Kindheit: nicht eindeutige Ratschläge für Eltern. Hastings Center Report 39(1), 26-29.

Hyde, J., & Delamater, H. (2006). Die menschliche Sexualität verstehen. 9th Ed., London: McGraw-Hill.

Planned Parenthood Federation of America (PPFA). (2012). Weiblich, männlich & Intersex. Web.

Thom, B. (2010). Transgender guide for NHS Acute hospital trusts. London: Royal Free Hampstead.

i Siehe Planned Parenthood Federation of America (2012). Female, Male & Intersex.

ii Ebd.

iii Dreger, Alice. “Gender Identity Disorder in Childhood: Inconclusive Advice to Parents”. Hastings Center Report 39.1 (2009) at 27.

iv Siehe Hyde, J., & Delamater, H. (2006). Die menschliche Sexualität verstehen. 9th Ed. London: McGraw-Hill, S.106.

v Ebd.

vi Thom, B. (2010). Transgender guide for NHS Acute hospital trusts. London: Royal Free Hampstead. S. 12.