Eine Berliner Kindheit von Walter Benjamin Essay (Kritisches Schreiben)

Words: 626
Topic: Bildung

“Ich möchte etwas schreiben, das aus den Dingen entsteht, wie der Wein aus den Trauben” – dieses Zitat von Walter Benjamin spiegelt die Essenz seiner Arbeit wider. Und “Eine Berliner Kindheit” ist das Meisterwerk dieses berühmten Autors, in dem er das erreicht hat, wovon er in diesem Zitat sprach. Seine Schilderung von Kindheitserinnerungen in Form von Vignetten, die die Bilder und Erlebnisse der Vergangenheit in Erinnerung rufen, ist ein schönes Stück Literatur. In diesem Aufsatz soll das Zitat von Walter Benjamin im Zusammenhang mit “Eine Berliner Kindheit” analysiert werden, und zwar in Bezug auf die Vignetten “Loggien” und “Kaiserpanorama” (Sleight, 1 – 4).

Zunächst muss festgestellt werden, dass Benjamins Vergleich seiner Arbeit mit der Traube, die sich in einen Weinstock verwandelt, auch auf den Prozess des menschlichen Erwachsenwerdens angewendet werden kann. Ein Kind, das eine Traube ist, wächst heran und wird zu einer reifen Rebe. Dies ist nämlich das Thema von Benjamins Erinnerungen an seine Kindheit. Der Autor versucht, seine Erinnerungen klar und deutlich darzustellen, obwohl er bereits ein erwachsener Mensch geworden ist. Seine Gefühle, die mit den Bildern und Orten seiner Kindheit verbunden sind, scheinen nie zu verblassen: “Lange Zeit geht das Leben mit der noch zarten Erinnerung an die Kindheit um wie eine Mutter, die ihr Neugeborenes an die Brust legt, ohne es zu wecken.” (Benjamin, 38).

Diese Zeilen aus der Loggias-Vignette spiegeln die zärtlichen Gefühle des Autors gegenüber seiner Kindheit und allem, was ihn damals umgab, wider. Die Bedeutung der Loggien für ihn kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn die dort verbrachte Zeit verging wie im Flug und hinterließ nur Erinnerungen: “Nie hatte ich Gelegenheit, auf der Loggia auf den Morgen zu warten; jedes Mal wartete er schon auf mich.” (Benjamin, 41) Das Bild des Erwachsenwerdens assoziiert der Autor jedoch wieder mit Trauben und Reben, als ob er die Bestimmtheit seiner Allegorie in dem oben angeführten Zitat demonstrieren wollte: “Ich glaube, ein Hauch dieser Luft war noch in den Weinbergen von Capri zu spüren, wo ich meine Geliebte in den Armen hielt;…” (Benjamin, 39).

Dasselbe gilt für die Vignette “Kaiserpanorama”, die den Ort der Ruhe beschreibt, an dem sich der Autor als Kind gerne aufhielt. Auch hier kann die Anspielung auf den reifen Wein, der aus den Trauben entsteht, angewandt werden, da der Autor versteht, dass sein Erwachsenwerden bedeutet, dass er das Panorama vergessen und einer anderen Generation von Jugendlichen überlassen sollte: “Die Kunstformen, die hier überlebten, starben alle mit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts aus. Jahrhunderts aus. Sie fanden ihr letztes Publikum in den Kindern”. (Benjamin, 43 – 44) Dennoch darf die Bedeutung dieses Panoramas für das gesamte weitere Leben des Autors nicht verkannt werden. Es sagt viel über die Einstellung des Autors dazu aus, wenn selbst solche kleinen Details noch in seiner Erinnerung sind: “Es war, als ob ich sogar Wind und Kirchenglocken hätte hören können, wenn ich nur aufmerksamer gewesen wäre.” (Benjamin, 44).

Man kann also sagen, dass die Aussage, die am Anfang dieses Artikels steht, von Walter Benjamin in seiner “Berliner Kindheit” erfolgreich in die Praxis umgesetzt wurde. Er wollte etwas schreiben, das “aus den Dingen hervorgeht, wie aus den Trauben”, und es ist ihm tatsächlich gelungen, ein solches Werk zu schaffen. Seine Geschichte über seine Kindheitserinnerungen spiegelt seinen Wunsch wider, dass der Mensch heranwächst und eine Reife erreicht, die mit Trauben und Wein verglichen werden kann (Sleight, 1 – 4). Ich bin fest davon überzeugt, dass Kindheitserinnerungen für jeden Menschen von entscheidender Bedeutung sind, weil sie eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Zukunft darstellen. Und die Geschichte von Walter Benjamin beweist diese Aussage durch ihr leuchtendes Beispiel.

Zitierte Werke

Benjamin, Walter. Berliner Kindheit um 1900. Belknap Press, 2006.

Sleight, Simon. Benjamin, Walter, Berliner Kindheit um 1900, Übersetzt von Howard Eiland. Cambridge, Massachussets und London: Harward University Press, 2006.