Das Konzept des autobiografischen Gedächtnisses Essay

Words: 636
Topic: Herausforderungen der Psychologie

Artikel Zusammenfassung

In Anbetracht der Tatsache, dass Beziehungen den Kern der menschlichen Bedürfnisse bilden, liegt es auf der Hand, dass zwischenmenschliche Beziehungen das psychologische Funktionieren, die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen beeinflussen. So ist beispielsweise bekannt, dass Personen, die Bindungssicherheit erfahren, ein hohes Maß an Selbstwertgefühl und ausgezeichnete Anpassungs- oder Bewältigungsstrategien besitzen.

Andererseits wurde festgestellt, dass Personen, die Bindungsangst und/oder -vermeidung erleben, unter Psychopathologie und emotionalem Stress leiden (Sutin & Gillath, 2009, S. 351).

Viele Studien belegen daher den Zusammenhang zwischen verschiedenen Bindungsstilen und der daraus resultierenden psychischen Belastung, insbesondere der Depression. Um diesen Zusammenhang nachzuweisen, mussten sich viele Forscher jedoch auf die Art und Weise stützen, wie Menschen verschiedene Erinnerungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen vorbestimmen, speichern, wiederherstellen und nutzen.

Dementsprechend wichen Sutin und Gillath (2009) von den vorherigen Studien ab, indem sie vorschlugen, dass einige messbare Aspekte des autobiografischen Gedächtnisses die Beziehung zwischen Bindungsstilen und psychologischer Belastung bestimmen. Zu den vorgeschlagenen Komponenten des autobiografischen Gedächtnisses, die von diesen Forschern gemessen wurden, gehören die phänomenologische Erfahrung und der emotionale Inhalt der Erinnerung.

In ihrer Studie testeten Sutin und Gillath (2009) die beiden Komponenten des autobiografischen Gedächtnisses in zwei separaten Studien.

In der ersten Studie nahmen 454 Teilnehmer an einer Umfrage in zwei Sitzungen teil, wobei in der ersten Sitzung die Erfahrungen der Teilnehmer in Bezug auf verschiedene Messgrößen wie selbstdefinierende Beziehungserinnerungen, Phänomenologie, erwachsene Bindung und depressive Symptome bewertet wurden, während die Teilnehmer in der zweiten Sitzung gebeten wurden, ihre selbstdefinierenden Beziehungserinnerungen in Bezug auf romantische Interaktionen abzurufen und zu bewerten.

In der zweiten Studie wurden 534 Teilnehmer in eine der drei Priming-Bedingungen eingeführt: Bindungssicherheit (195 Teilnehmer), Bindungsunsicherheit (157 Teilnehmer) und die Kontrollbedingung (182 Teilnehmer). Nach dem Priming riefen die Teilnehmer ihre Erfahrungen in Bezug auf eine selbstdefinierende Erinnerung ab und bewerteten sie (Sutin & Gillath, 2009, S. 353-358).

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Gedächtnisphänomenologie (Gedächtniskohärenz und emotionale Intensität) die Beziehung zwischen Bindungsvermeidung und Depression bestimmt, während der negative affektive Inhalt des autobiografischen Gedächtnisses die Verbindung zwischen Bindungsangst und Depression bestimmt (Sutin & Gillath, 2009, S. 355).

Andererseits führte das Priming der Teilnehmer mit Bindungssicherheit dazu, dass sie mehr kohärente Beziehungserinnerungen zeigten, während Bindungsunsicherheit dazu führte, dass die Teilnehmer mehr inkohärente Beziehungserinnerungen zeigten.

Analyse

Es hat sich gezeigt, dass das Konzept des autobiografischen Gedächtnisses den Zusammenhang zwischen verschiedenen Bindungsstilen und psychischer Belastung vermittelt. In der Tat scheinen verschiedene Aspekte des autobiografischen Gedächtnisses das Produkt eines rekonstruktiven Prozesses zu sein, der dem emotionalen und motivationalen Funktionieren einer Person zugrunde liegt.

In diesem Zusammenhang spielen verschiedene Aspekte des autobiografischen Gedächtnisses eine wichtige Rolle beim Aufbau und bei der Aufrechterhaltung der eigenen Identität und bei der Förderung der Entwicklung von Intimität. Allerdings sind diese Erinnerungen nicht immer mit positiven menschlichen Funktionen verbunden.

In einigen Fällen ist der Abrufstil für autobiografische Erinnerungen anfällig für verschiedene depressive Symptome, da verschiedene aufdringliche Erinnerungen psychische Störungen, insbesondere die posttraumatische Belastungsstörung, fördern können (Sutin & Gillath, 2009, S. 352). Folglich können autobiografische Erinnerungen den Weg zur Depressionsanfälligkeit und psychischen Belastung bestimmen.

Nach Sutin und Gillath (2009) haben zwei Hauptaspekte des autobiografischen Gedächtnisses, nämlich die Phänomenologie und der Inhalt, einen konsistenten Zusammenhang mit psychischer Belastung gezeigt. Daher gibt es Anhaltspunkte dafür, dass diese beiden Aspekte die Vermeidung von Bindungen und Angst vermitteln.

So spielen zum Beispiel die Gedächtniskohärenz und die emotionale Intensität, die mit der Phänomenologie zusammenhängen, eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Stress bei Vermeidungsverhalten im Gegensatz zu Angstverhalten. Andererseits ist die Gedächtnisinkohärenz eng mit der Vermeidung von Bindungen verbunden.

Im Gegensatz zur Vermeidung ist die Bindungsangst eng mit dem emotionalen Inhalt der Erinnerung verbunden. Insgesamt liefert diese Studie provokative Beweise dafür, dass es einen Zusammenhang zwischen Bindungsstilen und autobiografischem Gedächtnis gibt, der wiederum psychischen Stress vermittelt.

Referenz

Sutin, A. R., & Gillath, O. (2009). Phänomenologie und Inhalt des autobiografischen Gedächtnisses vermitteln zwischen Bindungsstil und psychologischem Distress. Journal of Counseling Psychology, 56(3), 351-364. Web.