Das Buch “Ambiguous Adventure” von Cheikh Hamidou Kane Essay (Kritisches Schreiben)

Words: 1734
Topic: Weltliteratur

Einführung

Das Buch von Cheikh Hamidou Kane mit dem Titel “Ambiguous Adventure” (Zweideutiges Abenteuer) erzählt dem Leser vom kulturellen Dialog, der den Haupthelden dazu bringt, die Bedeutung der kulturellen Identität zu hinterfragen. Es zeigt auf, wie eine Person ihren Glauben und ihre Wurzeln aufgeben kann, wenn sie mit einer neuen Umgebung konfrontiert wird. Die erste Ausgabe des 1972 erschienenen Buches wird analysiert. Ziel dieses Beitrags ist es, das Buch von Cheikh Hamidou Kane kritisch zu rezensieren und zu erörtern, wie der Autor durch die Hauptfigur eine Interaktion zwischen westlicher und afrikanischer Kultur aufzeigt.

Zusammenfassung

Der Hauptheld des Buches ist ein Junge namens Samba Diallo, der sich darauf vorbereitet, ein geistiger Führer zu werden. Vor allem muss er alles lernen, was sein Lehrer Thierno weiß, um ihn eines Tages ablösen zu können. Die Hauptfigur studiert intensiv den Koran, denn sein Lehrer ist sehr anspruchsvoll, was Samba oft an den Rand der Erschöpfung bringt; er ist jedoch nicht bereit, aufzugeben (Kane 71). In der Region, in der der Junge lebt (Diallobe), müssen die Menschen Armut und andere Einschränkungen überwinden, die eine unvermeidliche Folge des französischen Kolonialismus sind.

Die französische Kultur und ihre Traditionen werden der senegalesischen Bevölkerung über die Schulen aufgezwungen. Viele Menschen, darunter auch Sambas geistlicher Lehrer, sind damit nicht einverstanden, doch die Tante des Jungen, die Königliche Hoheit von Diallobe, besteht darauf, dass er zur Schule geht. Sie sagt, die ausländische Schule “ist die neue Form des Krieges, den die, die hierher gekommen sind, führen, und wir müssen unsere Elite dorthin schicken, in der Erwartung, dass das ganze Land ihnen folgt” (Kane 37).

Sie fährt fort: “Wenn es ein Risiko gibt, sind sie am besten darauf vorbereitet, es erfolgreich zu bewältigen, weil sie am festesten mit dem verbunden sind, was sie sind” (Kane 37). Sie ist zuversichtlich, dass diese Erfahrung für Samba und das Volk von Diallobe von Nutzen sein wird, da der Junge in der Lage sein wird, sein Wissen an andere weiterzugeben und ihnen die europäischen Sitten zu vermitteln. Aus diesem Grund beendet Samba seine spirituelle Ausbildung und tritt in die Schule ein, und das ist der Punkt, an dem sich der Hauptkonflikt des Buches manifestiert.

Samba glaubt, dass sein Volk vom kulturellen Dialog profitieren wird. Nach Abschluss seiner Schulausbildung beschließt er, seinen akademischen Weg im Ausland fortzusetzen. Der Ritter (Sambas Vater) ist gegen diese Entscheidung, weil er glaubt, dass sein Sohn dadurch seine Wurzeln vergessen könnte. Dennoch hat Samba die Unterstützung von Pater Lacroix, denn er ist sich sicher, dass der Junge seinen Weg finden muss (Kane 80).

Die Spannung wird noch größer, als Samba sich in Paris wiederfindet, denn dort beginnt er zu ahnen, dass er seinen Glauben aufgeben wird. Neben dem Studium der Philosophie lernt er auch die Aspekte des Atheismus und des europäischen Kapitalismus kennen. Er sagt: “Ich bin beides geworden”, was bedeutet, dass er nun beides ist – der Erbe von Diallobe und ein Mensch, der kapitalistische Ansichten akzeptiert (Kane 150). Sambas Vater bittet ihn, zurückzukommen, bis es zu spät ist, und Samba stimmt zu, weil er befürchtet, dass er ihn im Stich lassen wird (Kane 162). Als er nach Hause zurückkehrt, begreift er, dass er nicht mehr zu seinem Volk gehört.

Zu Hause erfährt Samba, dass sein spiritueller Lehrer gestorben ist, und er will sein Grab besuchen. Der junge Mann fühlt sich desillusioniert und in gewisser Weise betrogen. Er will Beute machen, kann dies aber wegen eines quälenden inneren Gefühls der Unklarheit nicht tun. Zu dieser Zeit ist auch der Narr am Grab des Anführers; er interpretiert Sambas Widerwillen gegen die Beute als Verrat und Geste der Respektlosigkeit und ersticht den Haupthelden (Kane 168). Samba stirbt und gelangt in eine jenseitige Welt, in der es keine Heuchelei gibt und in der niemand zwischen Glauben und Idealen wählen muss.

Diskussion

Es ist erwähnenswert, dass der Roman das intellektuelle Dilemma der afrikanischen Muslime in den Vordergrund rückt. Der historische Kontext hat sie in eine Lage gebracht, in der sie säkulare kulturelle Normen annehmen müssen, die ihnen von den französischen Kolonisatoren auferlegt wurden (Kane 69).

Das Buch bringt diese Diskussion auf eine neue Ebene, indem es die verschiedenen Seiten des Dilemmas durch die Figur des Samba aufzeigt. Insbesondere durch die islamische Tradition konnte die Hauptfigur esoterisches Wissen erwerben. Als jedoch das neue europäische Bildungssystem eingeführt wurde und Samba diesem ausgesetzt war, wurde sein wertvolles esoterisches Wissen, durch das er sich mit seinem Volk identifizierte, unterdrückt und dann entfernt.

Zunächst erweist sich Samba aufgrund seiner kognitiven und analytischen Fähigkeiten als erfolgreich in seinem Studium. Er tut sein Bestes, um die westliche Kultur mit ihren Praktiken und Traditionen zu verstehen (Kane 79). Allmählich versteht er die fremde Kultur nicht nur, sondern assimiliert sie auch und geht davon aus, dass er in der Lage sein wird, seine einheimische Kultur zu praktizieren und gleichzeitig die Bereiche der fremden Kultur zu akzeptieren. Der Hauptheld wurde jedoch aus dem Umfeld, in dem er Wissen erfahren konnte, an einen Ort gebracht, an dem dieses Wissen in theoretischen Begriffen diskutiert wurde. Die Tragik dieser Situation liegt darin, dass das reale Wissen durch einen wurzellosen Intellektualismus ersetzt wurde.

Es ist wichtig, dass viele Afrikaner trotz der Tatsache, dass sie den muslimischen Glauben angenommen haben, in ihrer Weltanschauung Afrikaner geblieben sind, was sich in allen Aspekten ihres Lebens und ihrer Kultur widerspiegelt. Wie Shryock es ausdrückt, werden Muslime oft “negativ gesehen, als bedrohliche Gestalten, die den Westen dominieren wollen” (18). Der Islam zerstörte weder bereits bestehende Kulturen, noch beseitigte er die Identität der Afrikaner und ihre esoterische Erfahrung.

Die Gemeinschaft begann, das muslimische Dogma und den Ritualismus in Übereinstimmung mit ihren eigenen afrikanischen Bedingungen zu interpretieren. Dennoch war der Einflussbereich der muslimischen Religion breit gefächert und wurde zu einem Element der Zivilgesellschaft, was im ersten Teil des Buches deutlich zum Ausdruck kommt. Diallobe brachte den westlichen Individualismus und die Solidarität der afrikanischen und muslimischen Gesellschaften miteinander in Einklang, was ein einmaliger Umstand war.

Bei der Analyse der Darstellung von Muslimen in dem Buch ist es notwendig, die Königliche Dame gesondert zu betrachten. Sie kommt aus einem hierarchischen Umfeld, das auf strukturellem Feudalismus aufbaut. Das bedeutet, dass die Gesellschaft, in der sie lebte, starr und durch ausgeprägte Ungleichheit gekennzeichnet war (Jacobs 33). Es ist anzunehmen, dass der Autor seine Heldin absichtlich entwickelt hat, um das traditionelle islamische Umfeld zu zeigen, in dem die Menschen bestimmte Rollen einhalten mussten. Seltsamerweise nutzt Sambas ältere Cousine immer wieder ihre Stellung in der Gesellschaft, um sich gegen die patriarchalische Ordnung in ihrer Kultur zu stellen. Sie war diejenige, die andere Frauen dazu ermutigte, eine aktivere Rolle im gesellschaftlichen Leben zu übernehmen. Bei einer öffentlichen Versammlung sorgte sie dafür, dass ebenso viele Frauen wie Männer anwesend waren.

Die Königliche Hoheit wuchs in einem Umfeld auf, in dem traditionelle Werte heilig waren. Dennoch blieb sie aufgeschlossen und ermutigte die Frauen, aktiver zu sein und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Solche Veränderungen vollziehen sich im Laufe der Zeit, und bevor sie eintreten konnten, sorgte sie dafür, dass Frauen zumindest bei wichtigen Ereignissen gemeinsam mit Männern physisch anwesend sein konnten. Sie betonte jedoch, dass “die Frau zu Hause bleiben sollte” (Kane 45). Mit diesen Worten erweckte sie beim Leser den Eindruck, dass sie die Frauen gegen ihren Willen ermächtigte. Der Begriff der Zweideutigkeit ist also in verschiedenen Handlungssträngen präsent.

Weitere Punkte

Man könnte argumentieren, dass die Botschaft des Autors vereinfacht ist, da er sich auf das Thema des Glaubens konzentriert, und dies ist ein Leitmotiv, das auf allen Ebenen der Erzählung zu beobachten ist. Bei der Analyse der Ereignisse könnte man zu dem Schluss kommen, dass Samba glaubte, der Erkenntnis der Welt der totalen Gemeinschaft sehr nahe zu sein, aber die Kolonisatoren griffen ein und machten den Zauber zunichte. Das klingt wie eine Entschuldigung dafür, dass er die esoterische Erfüllung nicht erreicht hat. Der Moment der Erleuchtung tritt am Ende des Romans ein, als der Hauptheld stirbt – er wird von der agnostischen Kultur befreit, die ihn am Erreichen seiner spirituellen Ziele gehindert hat (Kane 174). Dennoch könnte der Leser beim genauen Lesen feststellen, dass der Kern des Buches vielschichtig ist.

Der Roman kann als eine Meditation über die Psychologie des Kolonialismus betrachtet werden. Der Hauptheld wird unterbrochen, als er gerade dabei war, ein irrationales Phänomen rational zu verstehen. Als er nach Paris geht, um dort zu studieren, glaubt er, in die Welt der totalen Gemeinschaft einzutreten, aber in Wirklichkeit bleibt er mit einem tiefen inneren Konflikt und dem Gefühl der Enttäuschung zurück (Kane 148). Er verliert nicht nur seinen geistigen Kern, sondern auch die Verbindung zu seiner Heimat und seinen Wurzeln. Als Samba nach Hause zurückkehrt, erkennt er, dass er diejenigen verachtet, die seinen Geist kolonisiert haben, weil seine Weltsicht korrumpiert wurde und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Schlussfolgerung

Daraus lässt sich schließen, dass das Buch von Cheikh Hamidou Kane aus einer Reihe von Gründen einen hohen historischen und literarischen Wert hat. In erster Linie geht es um die Religion, aber der Roman behandelt auch andere wichtige Themen wie patriarchalische Ordnung, Ungleichheit, Kolonialisierung usw. Der Autor zeigt dem Leser, wie afrikanische und westliche Kulturen miteinander interagieren und welche Auswirkungen dieser Dialog hat.

Der Hauptheld ist ein Junge, der zu einem spirituellen Führer ausgebildet wird und nach Höherem strebt. Er geht nach Europa, um seine Ausbildung fortzusetzen, und dabei verliert er den Kontakt zum islamischen Glauben. Seine kulturellen Überzeugungen werden durch seine agnostische Interpretation der Welt untergraben. Wichtig ist, dass der Autor ausführlich beschreibt, wie der Hauptheld allmählich seine Ideale aufgibt und sich in der ihn umgebenden Ambiguität verliert.

Der Autor dieses Beitrags hat versucht, den im Roman beobachteten Konflikt zwischen agnostischer Kultur und Glauben zu erkennen und zu erläutern. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass dieser Konflikt auf einen viel größeren Kontext anwendbar ist und nicht nur für die im Buch behandelte Gemeinschaft, sondern für jede Nationalität oder Kultur relevant ist. Cheikh Hamidou Kane fordert den Leser auf, zu verstehen, wie wichtig es ist, sich für seine individuellen Überzeugungen zu entscheiden und diese in einem unklaren Umfeld nicht aufzugeben.

Zitierte Werke

Jacobs, Merle A. “Soziale Eingliederung = Soziale Determinanten der Gesundheit: Where is Race and Racism?” Race In-Equity: Intersectionality, Social Determinants of Health & Human Rights, herausgegeben von Awalou Ouedraogo und Merle A. Jacobs, APF Press, 2017, S. 32-61.

Kane, Cheikh Hamidou. Zweideutige Abenteuer. Übersetzt von Katherine Woods, Heinemann, 1972.

Shryock, Andrew. “Islam As an Object of Fear and Affection”. Islamophobia/Islamophilia: Beyond the Politics of Enemy and Friend, herausgegeben von Andrew Shryock, Indiana University Press, 2010, S. 1-25.