Autonomie oder Unabhängigkeit von E. Durkheim und T. Adorno Essay

Words: 1638
Topic: Philosophie

Das Konzept des Individualismus war schon immer Gegenstand heftiger philosophischer und soziologischer Debatten. Die Gelehrten sind sich nicht einig darüber, wie dieses Phänomen zu definieren ist und ob es möglich ist oder nicht. Es gibt eine große Anzahl von Werken, die sich mit diesem Thema befassen, darunter die Arbeitsteilung von Emile Durkheim und Theodor Adornos Abhandlung Soziologie und empirische Forschung. In diesen Büchern werden die Beziehungen zwischen der Moderne und der individuellen Autonomie untersucht. Sie untersuchen die Trends in der zeitgenössischen Gesellschaft und analysieren die Methoden der soziologischen Forschung.

Die Autoren vertreten in der Frage der Autonomie oder Unabhängigkeit drastisch unterschiedliche Ansichten. Emile Durkheim vertritt die Auffassung, dass die moderne Gesellschaft der Individualität förderlich ist; er führt sie vor allem auf den Prozess der Arbeitsteilung zurück, während sein Gegenspieler argumentiert, dass man kaum eine klare Trennung zwischen dem “individuellen und dem gesellschaftlichen Bereich” (Adorno, S. 1) ziehen kann. Seiner Meinung nach sind diese Begriffe miteinander verbunden wie das Ganze und der Teil. Es scheint, dass sein Ansatz fundierter und produktiver ist, weil er es uns ermöglicht, die Art und Weise zu sehen, in der die Gesellschaft die innere Welt einer Person beeinflusst und einschränkt.

Dennoch dürfen einige Aspekte der Durkheimschen Theorie nicht außer Acht gelassen werden, insbesondere weist er darauf hin, dass sich die Mitglieder einer Gemeinschaft aus verschiedenen Gründen immer mehr entfremden. Es ist zu bedenken, dass die Arbeitsteilung Ende des 19. Jahrhunderts vollendet wurde; dennoch sollten wir sagen, dass Emile Durkheim manchmal sehr genaue Vorhersagen über die Tendenzen in der heutigen Gesellschaft macht, nämlich die Spezifizierung der menschlichen Aktivitäten und folglich ein hohes Maß an Isolation, aber nicht die Individualität, wie der Soziologe behauptet.

Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass Durkheim und Adorno in Fragen wie den Methoden der soziologischen Forschung nicht einer Meinung sind. Nach Durkheim sollte die Gesellschaft getrennt vom Individuum untersucht werden, weil sie nicht miteinander verbunden sind, während Theodor Adorno der festen Überzeugung ist, dass diese beiden Konzepte als eine komplexe Einheit behandelt werden sollten. Eine solche Interpretation des Problems scheint wirksam zu sein, da unter bestimmten Umständen die Individualität die Entwicklung der Gemeinschaft beeinflussen kann und umgekehrt. In gewisser Weise handelt es sich um einen zweiseitigen Prozess. Es liegt auf der Hand, dass die Gesellschaft viel eher die Ansichten eines Menschen prägt. Es gibt jedoch einige Ausnahmen, die dieser Regel widersprechen, und es ist unzulässig, sie zu übersehen.

Außerdem betont Adorno, dass Soziologen gelegentlich nicht in der Lage sind, sich mit realen Fakten zu befassen, weil sie sich meist auf die öffentliche Meinung konzentrieren, die oft auf Schablonen und falschen Vorstellungen beruht. Seiner Ansicht nach beruhen viele empirische Untersuchungen nicht auf gültigen Informationen. Dennoch kann man nicht sagen, dass Durkheim und Adorno sich völlig widersprechen; es gibt bestimmte Momente, in denen sie übereinstimmen; beide Wissenschaftler sind fest davon überzeugt, dass die derzeitigen Praktiken in der soziologischen Forschung überdacht werden sollten. Beide Wissenschaftler sind der festen Überzeugung, dass die derzeitige Praxis der soziologischen Forschung überdacht werden sollte. In der Behandlung dieser Frage sind sie sich einig.

Wahrscheinlich wäre es sinnvoller, diese gegensätzlichen Ansichten zu vergleichen und gegenüberzustellen. Was Emile Durkheim anbelangt, so sollte das übergreifende Argument seiner Arbeit auf Folgendes hinauslaufen: Er schlägt vor, dass der ständige Prozess der Arbeitsteilung oder Spezialisierung, wie er auch genannt wird, das Gefühl der Individualität einer Person verstärkt. In der modernen Arbeitswelt ist ein Arbeitnehmer nämlich autonomer oder unabhängiger von anderen Menschen, er oder sie hat eine bestimmte Aufgabe zu bewältigen und sehr oft besteht keine Notwendigkeit für eine enge Zusammenarbeit. Durkheim ist der Meinung, dass diese Aufteilung nicht nur im wirtschaftlichen Rahmen diskutiert werden sollte, er sagt: “Die Arbeitsteilung ist nicht nur in der Wirtschaft anzutreffen; wir können ihren wachsenden Einfluss in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft beobachten. Die politischen, administrativen und juristischen Funktionen spezialisieren sich immer mehr” (Durkheim, S. 40). Dieser Auszug deutet darauf hin, dass die Funktionen, die eine Person ausüben kann, immer spezifischer oder sogar enger werden. Dadurch wird er oder sie stärker von anderen Menschen isoliert.

Abgesehen davon suggeriert Durkheim, dass die Arbeitsteilung das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse oder Gruppe schwächt, im Gegenteil, der Mensch versucht, seine eigene Individualität zu behaupten.

Daraus folgert der Autor, dass der Grad der Individualität erheblich zugenommen hat. Natürlich sagt Durkheim nicht, dass es keine Berührungspunkte gibt, die die Gemeinschaft vereinen können. In diesem Zusammenhang unterscheidet er die Begriffe der organischen und der mechanischen Solidarität. Im ersten Fall sind die Menschen durch gemeinsame Werte oder ethische Grundsätze verbunden, während im zweiten Fall die Individuen gezwungen sind, miteinander zu interagieren, weil sie auf die Dienste des anderen angewiesen sind. Es ist für uns von entscheidender Bedeutung zu zeigen, dass Durkheim in erster Linie über den wahrgenommenen Individualismus spricht. In der überwiegenden Zahl der Fälle analysiert er die subjektiven Meinungen der Menschen. Wenn eine Person annimmt oder behauptet, dass sie unabhängig von der Gemeinschaft ist, bedeutet das nicht unbedingt, dass dieser Glaube auf wahren Tatsachen beruht.

Wenn wir versuchen, seine Ansichten mit denen von Theodor Adorno zu vergleichen, müssen wir feststellen, dass er nicht ganz mit Durkheim übereinstimmt. Er erkennt die Tatsache an, dass es zwei Aspekte menschlichen Handelns gibt: den sozialen und den individuellen, doch der Gelehrte vertritt die Auffassung, dass sie eng miteinander verwoben sind. Außerdem sei Individualität ein sehr subjektiver Begriff und könne daher falsch interpretiert werden. Adorno behauptet, dass viele Menschen nur die Illusion von Individualität hegen, während sie in Wirklichkeit nur Vertreter einer bestimmten sozialen Klasse sind und sich freiwillig oder unfreiwillig an die Prinzipien dieser Klasse halten. So sagt er zum Beispiel, dass viele Arbeiter “sich nicht mehr als Arbeiter betrachten und leugnen, dass es so etwas wie das Proletariat noch gibt” (Adorno, S. 1). Seiner Meinung nach handelt es sich dabei nur um eine gefühlte Individualität, denn der Begriff der Arbeiterklasse existiert immer noch. Jeder Mensch neigt dazu, sich mit einer bestimmten Gruppe oder Klasse zu assoziieren. Wir können also sagen, dass die Behauptungen über die Individualität oft nicht wirklich begründet sind.

Theodor Adorno lenkt unsere Aufmerksamkeit auf den Begriff der sozialen Klasse oder auf Menschen, die gemeinsame Merkmale, Eigenschaften oder Qualitäten teilen. Seiner Ansicht nach gibt es niemanden, der eine völlige Unabhängigkeit von der sozialen Gruppe erreicht hat, der er angehört. Sie manifestiert sich auf verschiedene Weise: gemeinsame Überzeugungen, gemeinsame Werte, gemeinsame Missverständnisse und so weiter. Jeder, der sich für frei von diesen Bindungen hält, macht sich nur etwas vor.

Einerseits kann man Durkheim durchaus zustimmen, denn die Arbeitsteilung führt dazu, dass die Mitglieder einer Gemeinschaft tatsächlich voneinander isoliert sind und nicht mehr zusammenarbeiten müssen, insbesondere wenn es um die Beziehungen am Arbeitsplatz geht. Dennoch ist es erwähnenswert, dass der Autor den psychologischen Aspekt dieses Themas übersieht, denn unbewusst braucht jeder Mensch Kommunikation oder einige Kontaktpunkte mit einer anderen Person. Wir können dies nicht nur mit der materiellen Notwendigkeit erklären. Es scheint, dass die Interpretation des Autors nur eine Seite dieser Frage widerspiegelt. Der Soziologe misst den wirtschaftlichen Beziehungen größte Bedeutung bei. Es versteht sich von selbst, dass die Wirtschaft wohl eine der wichtigsten Komponenten menschlicher Aktivitäten ist, aber sie ist nicht die einzige.

Durkheim ist der Ansicht, dass soziale Phänomene oder soziale Tatsachen getrennt von der Individualität diskutiert werden sollten, da eine einzelne Person nicht in der Lage ist, die Entwicklung der Gemeinschaft zu beeinflussen. Der Autor schlägt einen Begriff wie “kollektives Bewusstsein” vor, der bestimmte Mechanismen oder Muster impliziert, nach denen sich die Gesellschaft entwickelt. Mit anderen Worten, er ist der Meinung, dass jedes soziale Phänomen im Rahmen der Soziologie untersucht werden sollte, und die Wissenschaftler sollten keine Forschungsmethoden anderer Disziplinen, wie z. B. der Psychologie, anwenden (Durkheim, S. 66). Zum Beispiel sagt Durkheim, dass kriminelles Verhalten oder Verbrechen nur durch einige soziale Ursachen wie Armut verursacht wird, aber nicht mit den persönlichen Eigenschaften eines Menschen zusammenhängt. Diese Aussage wurde kürzlich von Psychologen kritisiert, deren Ergebnisse darauf hindeuten, dass einige Menschen (unabhängig von ihrer finanziellen Situation) eher zu antisozialem Verhalten neigen. Dieser Ansatz ist sehr populär, aber er ist nicht immer anwendbar, da einige soziale Probleme auf die psychologischen Eigenschaften eines Individuums zurückzuführen sind.

Theodor Adorno wiederum hat den Begriff der “Durchschnittsillusion” geprägt, was bedeutet, dass die Überzeugungen der Menschen in der überwältigenden Mehrheit der Fälle auf weit verbreiteten falschen Vorstellungen beruhen, zum Beispiel dem Mythos der Individualität. Der Autor weist darauf hin, dass Soziologen sehr oft nicht Fakten, sondern gängige Stereotypen und Vorurteile untersuchen. Adorno ist der Meinung, dass die meisten soziologischen Forschungsmethoden die Gültigkeit der Daten nicht gewährleisten können. Er sagt: “Die empirischen Methoden – Fragebogen, Interview und jede mögliche Kombination und Ergänzung dieser Methoden – haben die gesellschaftliche Objektivität, die Verkörperung aller Bedingungen, Institutionen und Kräfte, innerhalb derer die Menschen handeln, ignoriert oder sie höchstens als Akzidenzien berücksichtigt.” (Adorno, S. 1). Wahrscheinlich müssen wir dieses Argument noch weiter ausführen, denn bei der Durchführung soziologischer Forschung muss ein Wissenschaftler sicher sein, dass die Daten glaubwürdig sind, was jedoch völlig unmöglich ist, da jeder Befragte leicht seine eigene voreingenommene und voreingenommene Interpretation geben kann.

Daraus können wir schließen, dass es nach Emile Durkheim eine klare Unterscheidung zwischen dem individuellen und dem sozialen Bereich gibt und dass sie voneinander getrennt sind. In scharfem Gegensatz zu ihm stellt Theodor Adorne fest, dass man nur von einem gefühlten, aber nicht von einem wirklichen Individualismus sprechen kann. Er argumentiert, dass manche Menschen nur die Illusion der Selbstgenügsamkeit hegen, die aber sehr weit von der Wahrheit entfernt ist. Was die Forschungsmethoden angeht, so schlägt Emile Durkheim das Konzept der so genannten sozialen Tatsachen oder Phänomene vor, die getrennt von der Individualität untersucht werden sollten. Teilweise stimmt Adorne mit ihm überein, indem er sagt, dass Soziologen gelegentlich keine Fakten untersuchen, sondern sich nur mit auferlegten Überzeugungen befassen, die nichts mit der tatsächlichen Situation in der Gemeinschaft zu tun haben.

Literaturverzeichnis

Emile Durkheim. George Simpson. “Die Arbeitsteilung in der Gesellschaft” Free Press, 1990.

Theodor W. Adorno. Glyn Adey “Soziologie und empirische Forschung”, 1976.