Amerikanisierung in Saudi-Arabien Essay

Words: 1527
Topic: Kultur

Die Globalisierung der Welt durch die USA zeigt sich vor allem in den Bereichen Technologie, Produkte und Sprache. Der Einfluss der USA auf den Rest der Welt setzt sich in den Bereichen Wirtschaft, Politik, soziale Institutionen und sogar in der persönlichen Psyche des Einzelnen fort. Dr. Brendon O’Connor setzt sich kritisch mit der Amerikanisierung in Australien auseinander und stellt fest: “Die amerikanische Kultur ist Teil der australischen Massenkonsumkultur” (Brendon 160). Er weist darauf hin, dass sich die Amerikanisierung in der Mehrzahl der in Australien getragenen Kleidungsstücke (z. B. Calvin Klein-Unterwäsche) sowie im Musik- und Filmgeschmack und in der Alltagssprache zeigt.

Im Gegensatz dazu vertritt Mike Rice-Oxley in seinem Essay In 2.000 Years, Will the World Remember Disney or Plato? eine sehr viel kritischere Sicht auf die Amerikanisierung und stellt fest, dass die USA eine “konkurrenzlose globale Supermacht” sind (Rice-Oxley 163). Er reflektiert seine eigene Kultur und greift dabei auf die Kritik anderer an der Amerikanisierung von “Musik bis Medien, Film bis Fast Food, Sprache bis Literatur und Sport” (Rice-Oxley 163) zurück. Der Autor konzentriert sich auf die negativen Folgen der Amerikanisierung für die einheimische Industrie, wie z.B. die Filmproduktion und den Filmvertrieb, die von Hollywood dominiert werden.

Auch andere Länder wie Saudi-Arabien bekommen die soziokulturellen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Amerikanisierung zu spüren, z. B. die Überfremdung durch die Kultur der USA bei der Nutzung des Internets und das Aussterben der lokalen Textilmärkte. Es ist klar, dass die Amerikanisierung vor allem durch das Internet (z. B. Werbung) und kommerzielle Produkte (z. B. McDonald’s) gefördert wird, was zu einer Verwässerung der Kultur und dem Niedergang der lokalen Industrie führt.

Derzeit beherrschen die USA die Internettechnologie (Rice-Oxley). Mit Hilfe dieses Mediums kontrollieren die USA die Art und Weise, wie die Menschen über das Leben und andere Dinge denken. Das Internet verbreitet die US-Kultur durch die Vorherrschaft des amerikanischen Englisch, das, wie Rice-Oxley feststellt, die Sprache der “Internetsurfer überall” (Rice-Oxley 164) ist, und er deutet an, dass die Nutzung des Internets innerhalb der USA akzeptabel, in anderen Ländern, in denen Englisch nicht die erste Sprache ist, jedoch bedenklich ist. Bevor man in Saudi-Arabien mit dem Internet in Berührung kam, waren die sozialen Gruppen beispielsweise eng miteinander verbunden; jetzt verbringen die Jugendlichen exorbitant viel Zeit an ihren Tastaturen, um Computerspiele zu spielen oder Chatrooms zu besuchen (Freidman).

Das Internet hat jedoch auch dazu beigetragen, die saudischen Bürger für ein breiteres Spektrum an Kulturen zu sensibilisieren und die Ausweitung sozialer Kreise über die Landesgrenzen hinaus zu ermöglichen. Außerdem hat das Internet dazu beigetragen, Zeit zu sparen. Heutzutage werden mehrere Aufgaben im Cyberspace erledigt, z. B. das Bezahlen von Rechnungen und das Recherchieren für eine Universitätsarbeit.

O’Connor (2003) stellt fest, dass die Massenkonsumkultur der USA auch als ein Propagator der Amerikanisierung angesehen werden kann. O’Connor behauptet, dass kommerzielle Produkte, die die US-Kultur widerspiegeln, den Markt in “unserem Fernsehen, den Radiosendern, den Kinos, [und] der Mode…” (O’Connor 160) dominieren. Rice-Oxley merkt an, dass die USA nur ihre eigene Kultur, z. B. in Form von Filmen und Musik, wahrnehmen und damit eine “anglophone Perspektive” (Rice-Oxley 165) einnehmen. Dies kann dazu führen, dass die Lebenserfahrungen und das Weltgeschehen aus einer engen Perspektive betrachtet werden.

Die Homogenisierung der kommerziellen Produktion hat sich in Saudi-Arabien auf zahlreichen Ebenen nachteilig ausgewirkt, insbesondere im Hinblick auf den Kleidungsstil. Anstatt auf den lokalen Märkten Textilien zu verkaufen, die die kulturellen Werte der Saudis verkörpern, wie z. B. Throop oder Gutra, überschwemmen nun US-amerikanische Marken wie DKNY und GUESS die lokalen Märkte.

In Saudi-Arabien sind zahlreiche positive Auswirkungen der Amerikanisierung im Hinblick auf das Internet und kommerzielle Produkte zu beobachten. Der Technologiekonsum in Saudi-Arabien hat zugenommen, was dem Land bessere Möglichkeiten eröffnet, seine Wirtschaft zu stärken, die Gesundheitsversorgung zu verbessern und seine Studenten auszubilden (Wheeler). So hat das Internet beispielsweise den Beduinen einen besseren Zugang zur Bildung verschafft, da sie per Fernunterricht an den Kursen teilnehmen können (Abu-Rabia).

Was kommerzielle Produkte im Bildungsbereich anbelangt, so können saudische Schulen das Engagement der Schüler im Lernprozess durch multimediale Produkte (z. B. Digitalkameras, Mobiltelefone) und standardisierte Lehrplanmaterialien in Form von Büchern, DVDs und lebensechten Modellen (z. B. ein Plastikskelett im Biologieunterricht) verbessern.

Was die sozialen Strukturen angeht, so hat das Internet eine Öffnung der Gemeinschaften ermöglicht, da die Entfernungen zwischen ihnen schrumpfen. Plattformen wie Facebook und MySpace bieten Chaträume und Online-Blogs, über die Menschen miteinander kommunizieren und sich austauschen können.

Was nun die negativen Auswirkungen der Amerikanisierung in Form des Internets und kommerzieller Produkte in Saudi-Arabien betrifft, so gibt es natürlich viele davon. So gibt es beispielsweise nicht überall im Land einen gleichberechtigten Zugang zum Internet, was dazu führt, dass sich die Kluft zwischen denen, die es sich leisten können, und denen, die es nicht können, vergrößert. Dieser Zustand schränkt auch den gleichberechtigten Zugang zu Bildungsergebnissen in Form von Lernen, Entwicklung und Beschäftigung ein.

Darüber hinaus besteht die Sorge vor einer kulturellen Verwässerung, wenn man sich zu sehr der US-Kultur aussetzt.

Um dem entgegenzuwirken, führten saudische Beamte im Januar 1999, als Saudi-Arabien einen landesweiten Internetzugang einführte, einen Plan zur “Blockierung” von Daten ein, die als “unerwünscht” angesehen wurden (Wheeler 126). Diese Maßnahme an sich hat jedoch dazu beigetragen, dass Saudi-Arabien nur einen eingeschränkten Zugang zu anderen Standpunkten hat, die eine kritische Reflexion von Ereignissen und sozialen Interaktionen fördern, was sich nachteilig auf die länderübergreifenden Beziehungen, die Entwicklung innovativer Industrien und die Stärkung der Entwicklung der Gemeinschaft durch die Nutzung des Wissens und der Erfahrungen anderer auswirken kann.

Was das Aussterben einheimischer Produkte betrifft, so werden z. B. traditionelle Ledersandalen, die nach einer über Jahrhunderte überlieferten Tradition handgefertigt werden, durch billigere Plastik- und/oder Gummi-Importe verdrängt. Immer weniger Menschen tragen den Thoop und die Gutra; vor allem Frauen in Saudi-Arabien haben seit langem Zugang zu High-End-Mode aus den USA wie DKNY und Calvin Klein sowie zu verschiedenen Make-up-Produkten (Makabi). Obwohl Saudi-Arabien zu den arabischen Ländern mit der traditionellsten Auslegung des islamischen Kleidungsstils gehört, neigen Frauen dazu, in einem weiblichen Umfeld keine traditionelle Kleidung zu tragen. Im Jahr 2001 übertraf Saudi-Arabien Dubai bei der Einfuhr von deutscher Mode und wurde zum größten Importeur im Nahen Osten, obwohl Dubai viel liberalere Kleidervorschriften für seine Bürger hat (Makabi).

Eine weitere negative Auswirkung ist die Verwässerung der Kultur und der sozialen Einrichtungen in Saudi-Arabien. Die Kleidung ist ein Beispiel für ein kulturelles Artefakt, das sich in diesem Land rasch verändert. Die einst ungewöhnlichen Jeans und T-Shirts unter der Männerkleidung sind unter der Stadtjugend schnell zur Norm geworden. Kulturelle Konflikte darüber, was in der saudischen Gesellschaft angemessenes Verhalten ist und was nicht, entstehen zwischen der Jugend und den Älteren sowie zwischen Frauen, die mehr Anerkennung für ihre Rechte fordern (Rothkop).

Die islamische Religion ist das Fundament der saudischen Gesellschaft, und durch ihre Lehren werden andere soziale Institutionen geformt und erhalten Leitlinien für ihr Funktionieren. Schulische Lehrpläne, Familienleben, Geschlechterrollen, altersgerechtes Verhalten und die Zubereitung von Lebensmitteln sind alles Beispiele für kulturelle Praktiken, die einem raschen und bedeutenden Wandel unterworfen sind. Alkohol und Zigaretten sind gängige Werbeträger für US-Vermarkter; in Saudi-Arabien sind sie jedoch verboten. Der illegale Handel mit diesen Produkten ist jedoch weithin bekannt, und es ist eine Tatsache, dass die Prinzen häufig die Höchstbietenden für Johnnie Walker, Jack Daniels und Pall Mall-Zigaretten sind (Hooton). Dies hat weitreichende Folgen für die inner- wie auch die zwischenstaatlichen Beziehungen. Ein Beispiel dafür sind die Briefbombenattentate auf ausländische Arbeitnehmer aus den USA (Taylor).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Amerikanisierung vielfältige Auswirkungen auf Länder wie Saudi-Arabien hat, und zwar in Bezug auf kulturelle Praktiken, Internetnutzung und den Konsum von Handelsprodukten. Obwohl es Aspekte der US-Kultur gibt, die O’Connor in Australien meidet, hebt er die negativen Auswirkungen auf die kulturelle Identität hervor, die Monopolvertrieb und Vorteile im Marketing mit sich bringen können. Rice-Oxley endet auch mit einer optimistischen Bemerkung, indem er den geistreichen Kommentar seines Landsmannes Professor Young wiedergibt: “Es bleibt abzuwarten, ob die Monkees und Bee Gees so langlebig sind wie Plato” (Rice-Oxley 176).

Zitierte Werke

Abu-Rabia, A. A Bedouin Century: Bildung und Entwicklung bei den Stämmen des Negev im zwanzigsten Jahrhundert. Berghahn Books, 2001.

Hooton, E. “Leben in Saudi-Arabien. Leben und Arbeiten im Königreich Saudi-Arabien”. Escape From America Magazine. 2008. Web.

Makabi, R. “Globalisierte Mode als politisches Statement im Nahen Osten”. Policy Innovations. 2006. Web.

O’Connor, B. “Gelangweilt von den USA”. Internationale Ansichten: Amerika und der Rest der Welt. Ed. Keith Gumery. New York: Pearson Longman.2006.160-162.

O’Connor, B. “Braucht die australische Kultur Schutz vor dem US-Kulturimperialismus?” On Line Opinion. 2008. Web.

Rice-Oxley, M. “Wird sich die Welt in 2.000 Jahren an Disney oder Plato erinnern?” Christian Science Monitor. 2004. Globales Politik-Forum. Web.

Rothkop, D. “Ein Lob des Kulturimperialismus? Auswirkungen der Globalisierung auf die Kultur.” Außenpolitik 1997. Global Policy Forum. Web.

Taylor Martin, S. “Zielscheibe: Westler”. Petersburg Times, 2002. Web.

Wheeler, D. L. The Internet in the Middle East: Global Expectations and Local Imaginations in Kuwait. SUNY Series in Computer-Mediated Communication, Albany, NY, 2006.