Amerikanischer Rassismus: Warum ist Obama dann nicht weiß? Aufsatz

Words: 1003
Topic: Soziologie

Einführung

Das Rennen bis zur Amtseinführung von Barack Obama als künftiger Präsident der Vereinigten Staaten hat die Frage der Hautfarbe wieder einmal in den Vordergrund gerückt. Einigen Schätzungen zufolge hatte die Tatsache, dass Obama nicht perlweiß ist, die Chancen im Rennen bereits gegen ihn gestapelt. Es war, als würde man einen Wettbewerb mit einer Hand auf dem Rücken beginnen. Als er dann gegen alle Widerstände gewann, änderte sich die Sichtweise der Welt in Bezug auf seine Rasse ein wenig. Aber die Debatte geht weiter.

Hauptteil

Laut Abraham Verghese, der aus Afrika stammt, aber indische Eltern hat, hat er sich einmal mit seinem Sohn Tristan mit genau diesem Thema auseinandergesetzt. Tristan ist halb Inder und halb Hispanoamerikaner, aber sie leben alle in den USA. Nun fragte der immer noch aufgeschlossene Tristan, warum Obama, der gemischter Herkunft ist, immer als schwarz bezeichnet wird. Die Frage verblüffte Abraham, brachte ihn aber zum Nachdenken. Schließlich erkannte er die fehlerhafte Wahrnehmung, die jede gemischte Rasse in eine Gruppe wirft, die eindeutig “nicht weiß” ist. Und während diese soziokulturelle Kluft die Demografie der Nation eindeutig in zwei Hälften teilte, lag ihre noch unheilvollere Bedeutung in der Tatsache, dass diese Kluft scheinbar sogar von der “nicht-weißen” Bevölkerung in Amerika akzeptiert wurde.

Ein bekanntes Sprichwort besagt, dass schon ein Gramm schwarzes Blut in der Abstammung ausreicht, um als schwarz zu gelten. Technisch gesehen ist diese Auffassung unzureichend, da es keine ständige Meinung zum Gegenteil gibt – dass eine Unze weißes Blut einen weiß machen kann. Nach der seit langem vertretenen Auffassung der Perlweißen ist man entweder rein weiß oder man ist etwas ganz anderes. Diese “anderen” umfassen alles von der afrikanischen Bräune über die indische Variante bis hin zu den mexikanischen Farbtönen. Eine wirklich enge Definition der Weißen beschränkt sie auf die kaukasische Rasse. Damit wird sogar die Bevölkerung des Fernen Ostens – die Chinesen, Japaner und Koreaner – von der Gruppe der Weißen ausgeschlossen. Wo bleiben also die Mischlinge?

Die wütenden Debatten über die Hautfarbe Obamas scheinen sich eher auf seine Elternschaft zu konzentrieren. Er hatte einen afrikanischen Vater. Aber seine Mutter war weiß. Das würde ihn zu einer Mischung aus Weiß und Schwarz machen. Diejenigen, die die Debatten anheizen, sehen ihn als halb schwarz. Die anderen sehen ihn als halb weiß. Es ist das klassische Szenario von halb leeren und halb vollen Gläsern – je nachdem, wer sie betrachtet. Aber warum sollte es eine solche Diskrepanz in der Perspektive geben?

Nirgendwo in seinem gesamten Wahlkampf hat Obama jemals behauptet, ausdrücklich weiß oder schwarz zu sein. Ganz offensichtlich waren Fragen seiner Hautfarbe für ihn eine Nebensache. Und er hat bewiesen, dass er wahrscheinlich Recht hatte – dass es letztlich nicht die Hautfarbe ist, die über den Erfolg entscheidet. Es ist etwas anderes. Seine Taten machten ihn tatsächlich “weißer” als den durchschnittlichen weißen Amerikaner. Diese Aussage wird angesichts der Tatsache getroffen, dass die derzeitige Kluft zwischen Weißen und anderen Hautfarben eher soziokulturell als rein farblich bedingt ist. Es handelt sich eher um eine psychologische Perspektive, die sich quer durch die Normen, Überzeugungen, Erwartungen und Vorlieben der Gesellschaft zieht. Und bei der gegenwärtigen amerikanischen Demografie verläuft sie im Wesentlichen auch quer durch die Mitte der Bevölkerung.

Aber was macht einen wirklich zu einem Amerikaner? Wenn man die Frage nach der Hautfarbe beiseite lässt, kommen einige tiefgründige Dinge zum Vorschein. Es wird deutlich, dass der Patriotismus tief im Herzen eines jeden amerikanischen Bürgers verwurzelt ist – unabhängig davon, ob sie sich dazu bekennen oder danach handeln. Zweitens wird die individuelle Leistung eindeutig zu einer Summe individueller Anstrengungen und nicht zu einem atavistischen Erbe oder einer Veranlagung. Der freie amerikanische Markt bietet genügend Spielraum für die Begabten, unabhängig von ihrer Herkunft. Und schließlich sind es auf lange Sicht diejenigen, die sich unter Zwang zusammenschließen, die letztlich als Sieger hervorgehen. Die jüngste wirtschaftliche Rezession hat das bewiesen, als sie Millionen von Wählern zu Gunsten Obamas bewegte.

Abraham Verghese zufolge stellt der jüngste Sieg Obamas einen weitreichenden Sieg für die Amerikaner dar, auch im Ausland, vor allem jetzt, da sich das Land von einer wirtschaftlichen und weltweit populären Rezession erholt. Und in seinen Augen könnte Obama seinem Sieg noch die Krone aufsetzen, indem er sich eines Tages erhebt und das Etikett “schwarz”, das man ihm derzeit anheftet, öffentlich anprangert, so wie er es nicht akzeptiert, als weiß bezeichnet zu werden. Es wird ein großer Tag sein, wenn er alle Menschen, von Booker T. Washington über Abraham Lincoln bis hin zu John Kennedy und M.L.K., als gleichberechtigte und wesentliche Teile des Ganzen bezeichnet, das Amerika groß macht. Abraham glaubt, dass die Hälfte von diesem und die Hälfte von jenem uns alle zu Amerikanern macht.

Aus persönlicher Sicht ist das Amerikanersein keine Frage der Hautfarbe oder des Geburtsrechts. Es ist ein Zustand des Geistes. Ich glaube, dass es Menschen in den entlegensten Winkeln der Erde gibt, die amerikanischer sind als der Durchschnittsbürger in New York oder DC. Das sind Menschen, die das Amerikanersein nicht als ein Recht, sondern als ein Privileg betrachten und hart daran arbeiten, dieses Privileg auch weiterhin zu genießen. Und dafür gibt es in der Welt immer wieder hervorragende Beispiele. Ein flüchtiger Blick in ein beliebiges Geschichtsbuch fördert eine Menge “Vollblut”-Amerikaner zutage. Und tagtäglich beweisen Tausende von Menschen, dass sie es wert sind, die amerikanische Marke zu tragen.

Schlussfolgerung

Die wahren Amerikaner tragen keine rassischen oder ethnischen Kennzeichen. Sie haben keine elitären Ideologien. Sie sind die Soldaten, die in Vietnam gekämpft haben und entweder angeschlagen, aber siegreich zurückgekommen sind oder ihren letzten Sonnenuntergang in Vietnam erlebt haben. Sie sind die Soldaten, die in den Irak geschickt wurden, um eine langjährige Diktatur zu stürzen. Sie sind die Unternehmer und Gurus an den Grenzen der Wirtschaft, die täglich neue Erfolgsrekorde aufstellen. Sie sind die einsamen Astronauten, die in den Weltraum geschickt werden, ohne Garantie, dass sie wieder zurückkommen. Sie sind die Väter und Mütter in jeder eng verbundenen Familie, die sich immer wieder gegen die Widrigkeiten ihres Zusammenschlusses behaupten. Sie sind in jeder Menschenmenge, an jeder Straßenecke, in jedem Winkel, in jedem Beruf zu finden. Das sind die wahren Amerikaner.