Amerikanischer Individualismus vs. Kapitalismusnormen Essay

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Topic: Soziologie

Einführung

Jede arbeitende Person sucht nach einer gewissen Erfüllung in ihrer Arbeit: entweder intern (Erfüllung) oder extern (Bekanntheit). Für jeden Menschen gibt es unterschiedliche Arten der Motivation, je nachdem, welche Art von Befriedigung er erreichen möchte. In der heutigen kapitalistischen Kultur, in der wirtschaftliche Werte vorherrschen, mag es schwierig sein, die kulturellen Normen des Individualismus zu verfolgen. Allerdings empfinden immer mehr Arbeitnehmer das Bedürfnis, Zufriedenheit zu erlangen, als wichtigere Triebfeder als die Erlangung einer finanziellen Belohnung. Es ist also davon auszugehen, dass kapitalistische Werte zwar eine entscheidende Rolle im Leben der Arbeitnehmer spielen, dass aber individualistische Bestrebungen für die Mehrheit der Menschen wichtiger sind.

Hauptteil

Die Ansätze zur Definition von Erfolg und Glück sind bei den einzelnen Menschen sehr unterschiedlich. Viele Menschen sind sich jedoch einig, dass die Möglichkeit, die eigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen, zu den Bestandteilen der Zufriedenheit gehört. In der modernen Gesellschaft gibt es zwei gegensätzliche Ansichten darüber, welche Art von Motivation Menschen erfüllter macht: interne oder externe. Die Wissenschaftler neigen zu der Ansicht, dass die interne Motivation allmählich an Bedeutung gewinnt.1 Die Arbeitgeber haben ein System von Belohnungen und Bestrafungen entwickelt, und die Handlungen und Entscheidungen der Arbeitnehmer werden weitgehend von diesen Vorstellungen bestimmt. Eine solche Organisation der Arbeitsanregung ist jedoch darauf ausgerichtet, die extrinsische Motivation zu steigern.2 Dieser Ansatz ist zwar von einer kapitalistischen Weltanschauung abhängig, bringt aber nach Ansicht von Pink nicht die erwartete Arbeitszufriedenheit mit sich.3 Infolgedessen versuchen sich viele von ihnen an neuen Projekten, die nicht unbedingt rentabel sind. Das Paradoxon liegt auf der Hand: Es scheint überraschend, dass man sich dafür entscheidet, etwas Kreatives für wenig oder gar keinen Lohn zu tun. Dennoch ist eine solche Entscheidung zum Hauptprinzip des modernen Arbeitsmarktes geworden.4

Gleichzeitig, so Pink, ist es nicht richtig anzunehmen, dass diejenigen, die etwas umsonst tun, “ein Armutsgelübde abgelegt haben”.5 Die Teilnahme an einer Vielzahl von Projekten wird von diesen Personen als Chance gesehen, ihre Aussichten auf zukünftige finanzielle Gewinne zu erhöhen. Die Forschungsergebnisse von Lakhani und Wolf zeigen, dass die “auf Spaß basierende intrinsische Motivation” und das Gefühl der kreativen Freiheit der wichtigste Antrieb für die Arbeit der meisten Programmentwickler ist.6 Diese Wissenschaftler stützten ihre Studie auf europäische und nordamerikanische Programmierer. Eine ähnliche Analyse, die in Deutschland durchgeführt wurde, zeigt, dass die befragten Mitarbeiter die Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken und anderen mit ihrer Entdeckung zu helfen, als Hauptmotiv sehen.7 Diese Ergebnisse dienen als Beweis für Pinks Idee, dass Individualismus ein entscheidenderer Antrieb für die Wahl der Arbeitsmotivation ist als Kapitalismus.

Es wäre nicht richtig zu sagen, dass finanzieller Gewinn für die Mehrheit der Menschen überhaupt keine Rolle spielt. Jeder Mensch hat Bedürfnisse, die nicht nur durch eine zufriedenstellende Arbeit erfüllt werden können. Die Menschen müssen Rechnungen bezahlen, Lebensmittel und Kleidung kaufen, sie müssen für ihre Kinder sorgen, und sie müssen sich um ihre Krankenversicherung kümmern. Dies sind nur einige Beispiele dafür, woran jeder Einzelne denkt, wenn er seine Arbeitspflichten erfüllt. Für viele Arbeitnehmer reichen diese Faktoren allein jedoch nicht aus. Die gängige Klassifizierung von Unternehmen war schon immer gewinnorientiert und nicht gewinnorientiert.8 In jüngster Zeit wurde jedoch das Konzept des “Social Business” eingeführt.9 Nach dieser Auffassung trat das Prinzip des sozialen Nutzens an die Stelle des Prinzips der Gewinnmaximierung. Die Organisationen, die nach dem Social-Benefit-Konzept arbeiten, verkaufen ihre Dienstleistungen nicht nur mit dem Ziel der Gewinnerzielung, sondern auch mit der Absicht, einen sozialen Nutzen zu erzielen. Dies ist ein weiterer Beweis für die wachsende Tendenz, spirituelle und individualistische Interessen anstelle von materiellen und kapitalistischen Werten zu berücksichtigen.

Trotz der positiven Bestrebungen dieser Arbeitskräfte hat dieses Phänomen eine Schattenseite, die sich in der Sehnsucht nach Berühmtheit zeigt. Wie Zweig anmerkt, leiden die Menschen in der modernen Welt unter dem ständigen Bedürfnis nach Selbstdarstellung und Ruhm als Bestandteile des Erfolgs.10 Der Wissenschaftler bringt diese Probleme mit dem antiken Begriff “kleos” in Verbindung, der “unsterblicher Ruhm oder Ehre” bedeutet.11 Im Gegensatz zu Pink vertritt Zweig die Ansicht, dass der Wunsch nach Reichtum und Macht die Triebe der Menschen steuert. Der Gelehrte stellt jedoch fest, dass Ruhm nur eine Illusion ist und tatsächlich niemandem hilft, glücklicher oder erfolgreicher zu werden.12 Zweig erwähnt, dass in einer Gesellschaft, in der das Bedürfnis nach Berühmtheit immer drückender wird, die meisten Individuen als Verlierer gelten.13 Gleichzeitig bietet der Autor statistische Daten des Pew Research Center an, aus denen hervorgeht, dass 2007 die Mehrheit der 18- bis 25-Jährigen es als ihr wichtigstes Ziel ansah, reich zu werden.14 So wird angenommen, dass Selbstwertgefühl und Anerkennung die Hauptbestandteile der Zufriedenheit junger Menschen sind.

Was den kreativen Prozess betrifft, so stimmt Zweig mit Pink darin überein, dass dieser ein entscheidender Faktor für die Arbeit des Menschen ist. An dieser Stelle merkt Zweig an, dass die Suche nach Selbstanerkennung ein ernsthaftes Hindernis für alle kreativen Bemühungen oder sogar für den gesamten Arbeitsprozess darstellt.15 Daher kommt Zweig zu einer Schlussfolgerung, die Pinks Idee ähnelt: Sich von inneren Motiven leiten zu lassen, bringt in einer moralischen Dimension mehr Befriedigung als sich von äußeren Kräften leiten zu lassen.16 Zweig argumentiert auch, dass es falsch ist, Selbstvermarktung als einen Weg zum Erfolg zu betrachten. Anstatt nach Möglichkeiten der Selbstvermarktung zu suchen, sollten die Menschen ihre Zeit auf Dinge verwenden, die in der Tat wertvoll sind, wie die Entwicklung kreativer Ideen und die Verbesserung der eigenen Leistung.17 Während Zweig also über den zunehmenden Trend zur Selbstvermarktung spricht, erkennt er auch die Notwendigkeit an, die eigenen inneren Bedürfnisse zu befriedigen und den Wert der Kreativität und der Bereitschaft zum Teilen zu steigern.

Die bisher analysierten Konzepte sind ziemlich wichtig, aber man sollte auch die Bedeutung des Sinns als Komponente der Motivation im Auge behalten. Ohne den Sinn des Zwecks, so Pink, gibt es kein Gleichgewicht im “Motivationsstativ”, dessen andere beiden Beine die Beherrschung und die Autonomie sind.18 Pink zitiert Lederhausen, der sagte, dass “eine neue Form des Kapitalismus im Entstehen begriffen ist”, in der die Arbeitnehmer “einen Zweck haben, der größer ist als ihr Produkt”.19 Daher, so argumentiert der Wissenschaftler, sind die individuellen Interessen der modernen Arbeitnehmer nicht die primären Antriebskräfte ihrer Motivation. Diese neue Form des Kapitalismus verlangt von den Arbeitnehmern, dass sie zu “Sinnsuchern” werden, die ihre Lebensenergie aus der Suche nach dem Sinn schöpfen.20 Wohlstandsmaximierung, die einer der emotionalen Katalysatoren ist, hat nicht genug Kraft, um die Energie der Arbeitnehmer zu mobilisieren. Im Gegenteil, Sinn kann Menschen dazu bringen, irgendetwas zu tun, ohne dass ihnen unbedingt ein Gewinn versprochen wird.

Das Gewinnmotiv reicht nicht mehr aus, um die Entscheidungen des Einzelnen oder von Unternehmen zu beeinflussen. Das Zweckmotiv wird jedoch zu einem Grund, warum sich Organisationen bemühen, etwas zur Welt beizutragen.21 Die Zweckmotivation wirkt sich Berichten zufolge auf drei Dimensionen des Lebens von Arbeitnehmern und Unternehmen aus: Worte, Ziele und Strategien.22 Pink merkt an, dass die Babyboomer und Millennials eine Generation sind, für die das Gefühl, ein wichtiges Ziel zu erfüllen, viel wichtiger ist als das bloße Verdienen von Geld.23 Anstatt einer finanziell attraktiven Arbeit nachzugehen, neigen junge Erwachsene daher dazu, Arbeitsplätze zu suchen, die für die Gesellschaft von Nutzen sein könnten. Zu den nicht-monetären Faktoren, die die Motivation moderner Arbeitnehmer beeinflussen, gehören das Gefühl eines freundlichen Teams, die Möglichkeit, ihre Ideen mit anderen zu teilen, und die Gelegenheit, etwas Gutes für andere zu tun. Pink weist darauf hin, dass die verbale Darstellung der Ziele der Mitarbeiter deren Einstellung zur Arbeit verändern kann. Insbesondere glaubt der Wissenschaftler, dass die Vermenschlichung dessen, was Menschen sagen, ihre Handlungen vermenschlichen kann.24

Schließlich hängen das Glück eines jeden Menschen und der Sinn eines guten Lebens nicht nur davon ab, dass er ein Ziel hat, sondern auch davon, dass dieses Ziel richtig ist.25 Selbst das Erreichen der höchsten äußeren Ziele in Bezug auf den Wohlstand kann das Glück nicht steigern. Pink betont, dass er die Bedeutung von materiellem Wohlstand nicht leugnet, aber dieser Wohlstand sollte nicht zum Hauptelement des Lebens werden. Neben dem Zweckmotiv sollen Begriffe wie Empathie und freundliche Kommunikation die Aussichten des Einzelnen auf Zufriedenheit und Glück erhöhen.26

Schlussfolgerung

Die Analyse der Lektüre lässt den Schluss zu, dass kapitalistische Werte in den Arbeitsbeziehungen nicht so wichtig sind wie individualistische Bedürfnisse. Diese beiden Konzepte können nur in einigen Punkten zusammenarbeiten, wie etwa bei der Befriedigung der Grundbedürfnisse des Einzelnen. Wenn es jedoch um die Erfüllung höherer Ansprüche geht, wie z. B. die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten oder die Herbeiführung einer positiven Veränderung, neigen die Menschen dazu, geistigen Bedürfnissen Vorrang vor materiellen Bedürfnissen einzuräumen. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass das Vorhandensein eines Arbeitszwecks und die richtige Einstellung zu diesem Zweck den modernen Arbeitnehmern mehr Befriedigung verschafft als die Wahrscheinlichkeit, mehr Geld zu verdienen.

Literaturverzeichnis

Pink, Daniel H. “Zweck”. In Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us, herausgegeben von D. H. Pink, 129-144. New York: Riverhead Books, 2009.

“Aufstieg und Fall der Motivation 2:0”. In Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us, herausgegeben von D. H. Pink, 13-31. New York: Riverhead Books, 2009.

Zweig, Davis. “Ruhm, Erfolg und der Mythos der Selbstvermarktung: Warum Aufmerksamkeit uns nicht befriedigt und Ihren Geschäftsaussichten nicht helfen wird”. In: Invisibles: The Power of Anonymous Work in an Age of Relentless Self-Promotion, herausgegeben von D. Zweig, 105-126. New York: Portfolio/Penguin, 2014.

Fußnoten