American Psycho Essay

Words: 544
Topic: Filmwissenschaft

Es gibt nur wenige Zweifel daran, dass der Film American Psycho aus dem Jahr 2000 als Metapher für das klar definierte parasitäre Wesen des so genannten “amerikanischen Traums” dient, bei dem es um den unbewussten Wunsch der Menschen geht, anderen ihre Dominanz aufzuzwingen.

Schließlich hat, wie der Film zeigt, in Amerika die Fähigkeit, einen gesellschaftlich prominenten/luxuriösen Lebensstil zu führen, nur wenig mit dem tatsächlichen Wert der betreffenden Person als Individuum zu tun, das zum Wohl der Gesellschaft beiträgt. So ist es kein Zufall, dass die Hauptfigur Patrick Bateman (Christian Bale) den ganzen Film hindurch vor allem mit belanglosem Nichtstun beschäftigt ist – selbst in den Szenen, in denen er am Schreibtisch in seinem Büro sitzt.

Offensichtlich wollte der Regisseur, dass die Figur des Bateman als solche wahrgenommen wird, die die eigentliche Quelle des amerikanischen Wohlstands versinnbildlicht und sich mit der Tatsache befasst, dass die reichsten amerikanischen Banker (die eigentlichen Herrscher des Landes) in der Lage sind, weiterhin unzählige Tonnen eines wertlosen grünen Papiers zu drucken, das wiederum gegen die wertvollsten natürlichen Ressourcen der Welt getauscht wird.

Um diesen nichts weniger als einen Raubüberfall mehr oder weniger zu verbergen, kommen die Spitzenbeamten des Landes mit der gut gemeinten, aber im Grunde bedeutungslosen Rhetorik über den Schutz der demokratischen Werte und die Bekämpfung des “Hungers in der Welt” daher. In ähnlicher Weise wird auch der talentierte Demagoge Bateman nicht müde, sich als äußerst fortschrittliches Individuum darzustellen – obwohl er in Wirklichkeit ein psychotischer Serienmörder ist.

Es erübrigt sich natürlich zu erwähnen, dass der oben erwähnte Vorschlag eher spekulativ ist. Ich glaube jedoch, dass sie dadurch nicht weniger legitim ist – vor allem angesichts dessen, was wir über die tatsächlichen Ursachen der Finanzkrise von 2008-2009 wissen, die durch die irrationale Gier der Banker und ihre Bereitschaft, einen luxuriösen Lebensstil zu führen, ausgelöst wurde, auf Kosten der Tatsache, dass sie dem Rest ihrer Mitbürger eine Chance auf ein besseres Leben vorenthalten.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass der Film American Psycho tatsächlich sehr gewalttätig ist. Die Stichhaltigkeit dieser Behauptung lässt sich gut anhand der Szenen veranschaulichen, in denen Bateman Menschen einfach um ihrer selbst willen ermordet.

Das letztgenannte Merkmal seines Amoklaufs ist diskursiv aufschlussreich, da es zeigt, dass Batemans Besessenheit von Gewalt nichts anderes war als die unterschwellige Extrapolation seiner Ausstattung mit dem stark ausgeprägten Instinkt des Dominanzstrebens. Als überaus reicher und gutaussehender 27-jähriger Mann mit besonders glänzenden Lebensperspektiven wird Batemen im Film als eine Person gezeigt, die so ziemlich alles erreicht hat, wovon man nur träumen kann.

Dies hatte jedoch nicht die geringste Auswirkung auf den bereits erwähnten Bateman’schen Instinkt – obwohl er einen gesellschaftlich dominanten Status erreicht hatte, strebte die Hauptfigur des Films weiterhin nach Dominanz. Dies wiederum schuf gewisse Voraussetzungen dafür, dass die Verwandlung der Figur in einen Serienmörder nur eine Frage der Zeit sein konnte.

Die eigentliche Bedeutung der Art und Weise, wie Bateman das Gefühl der Schuld empfindet – der Grund, warum er sich so fühlte, wie er verhaftet werden wollte – liegt also darin, dass die Hauptfigur des Films auf einer unbewussten Ebene erwartete, dass seine “Taten” von der Gesellschaft anerkannt würden. Mit anderen Worten: Die Schuldgefühle Batemans hatten nichts mit seinen tatsächlichen Gewissensbissen zu tun, weil er eine Reihe von Menschen getötet hatte, sondern mit seinem narzisstischen Wunsch, im Mittelpunkt der Gesellschaft zu stehen.