Alkoholismus als Krankheit Essay (Kritisches Schreiben)

Words: 304
Topic: Drogen- und Alkoholsucht

In jüngster Zeit hat sich der wissenschaftliche und medizinische Konsens in Bezug auf Alkoholismus geändert, da sich das Verständnis für die zugrunde liegenden Ursachen der Erkrankung verbessert hat. Alkoholismus kann durch eine Vielzahl von Umwelt- und genetischen Faktoren verursacht werden und ist im Allgemeinen von einer Reihe biologischer Faktoren abhängig (Levinthal, 2014). Daher hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass Alkoholismus eher eine Krankheit ist, die geheilt werden muss, als ein moralisches Unrecht, das bestraft werden muss. Dieser Ansatz wird jedoch aufgrund seiner zahlreichen Mängel stark kritisiert. Daher stellt sich die Frage nach einer kritischen Reflexion: Sollte Alkoholismus als Krankheit oder eher als selbstverschuldeter Schaden betrachtet werden?

Einerseits gibt es erhebliche theoretische Unterstützung für die erste Position. Studien zeigen, dass eine Reihe von biologischen Faktoren, darunter auch genetische, eine Prädisposition für Alkoholismus darstellen können (Levinthal, 2014). Außerdem fällt es Alkoholikern häufig schwer, aufzuhören, selbst wenn sie die Gefahr erkennen und dem Alkohol nicht mehr frönen wollen. Die wirksamen Behandlungen für die Krankheit sind meist biologischer Natur, wobei Initiativen wie das kontrollierte Trinken eher zweifelhafte Ergebnisse hervorbringen. Mit Hilfe des ganzheitlichen Betreuungsmodells kann man argumentieren, dass Alkoholismus, wenn er als Krankheit betrachtet wird, verhindert und behandelt werden kann.

Die Krankheitsinterpretation impliziert jedoch, dass die Person keine Wahl hat, wenn es darum geht, alkoholabhängig zu werden. Levinthal (2014) hebt die Bedenken hervor, dass das Modell zu einer übermäßigen Abhängigkeit von Medikamenten und Passivität ermutigt sowie zur Marginalisierung von Alkoholikern und zur Einschränkung ihrer Freiheit. Indem das Krankheitsmodell die Handlungsfähigkeit der Bevölkerungsmitglieder ignoriert, lässt es die entscheidenden Gründe außer Acht, warum Menschen übermäßig dem Alkoholkonsum frönen können. Die Frage kann also anders formuliert werden: Rechtfertigen die Vorteile der Betrachtung von Alkoholismus als Krankheit die potenziellen Kollateralschäden, die sie verursachen kann?

Referenzen

Levinthal, C. F. (2014). Drogen, Verhalten und die moderne Gesellschaft (8. Aufl.). London, United Kingdom: Pearson Education.