Alden Nowlans Gedicht “Tante Jane” Essay

Words: 691
Topic: Gedichte

Alden Nowlans “Tante Jane” ist ein interessantes Gedicht über die traurigen Realitäten des Alterns. Es ist ein kurzes Gedicht, aber selbst diese wenigen Zeilen bringen die Zwangslage eines vegetabilen Lebens zum Ausdruck, das nicht nur für die Person, die es lebt, sondern auch für die Familienangehörigen schwer ist. Durch dieses Gedicht scheint Nowlan zu argumentieren, dass der Tod besser ist als das Leben eines Invaliden.

Schon die erste Zeile des Gedichts, “Tante Jane, von der ich in den Nächten träumte, in denen es donnerte” (Zeile 1), versucht, Tante Jane mit unheimlichen Dingen in Verbindung zu bringen. Aus dieser Zeile geht hervor, dass Tante Jane keine angenehm aussehende Frau war, sondern jemand, dessen Gesicht so unheimlich war, dass es einem kleinen Kind schlaflose Nächte bereitete. Dieses gespenstische Bild von Tante Jane wird in der zweiten Zeile noch verstärkt, in der sie als jemand beschrieben wird, der “mit neunzig Jahren tot und mit hundert Jahren begraben war” (Zeile 2). Nowlan stellt dieses Paradoxon absichtlich in der zweiten Zeile dar, denn die meisten Menschen werden um die Zeit ihres Todes herum begraben. Die Vorstellung, dass eine Leiche ein Jahrzehnt lang aufbewahrt wird, ist so ekelhaft, dass sie bei den meisten Lesern Angst und Ekel auslöst. Mit diesen Zeilen versucht Nowlan absichtlich, seine Leser zu erschrecken, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Sobald der Dichter die Aufmerksamkeit seiner Leser gewonnen hat, fährt er fort, das von ihm gemalte Schreckensbild zu erklären. Die nächsten beiden Zeilen spiegeln nicht nur den geistigen Verfall von Tante Jane wider, sondern auch die Art und Weise, wie ihre Familienmitglieder auf diesen Verlust der geistigen Fähigkeiten reagierten. Offensichtlich war eine alte Tante, die ihre geistigen Fähigkeiten verloren hatte, eine Schande für die Familie und musste im Obergeschoss versteckt gehalten werden. Außerdem führte Tante Jane ein einfaches Leben und widmete ihre Tage dem Gebet, wenn sie nicht aß oder schlief. Auch ihre Familie schien sich nicht allzu sehr um ihr Wohlergehen zu kümmern, denn sie hatte sie schon fast aufgegeben. Die Tatsache, dass ihre Nahrung hauptsächlich aus “Brei” bestand, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Familie so wenig wie möglich mit der alten Tante Jane zu tun haben wollte.

Doch trotz dieser offensichtlichen Abscheu gegenüber der alten und sterbenden Tante schien die Familie noch immer eine Art von Verbundenheit mit der alten Frau zu empfinden. Die Tatsache, dass sie zu Hause blieb und nicht in ein Altersheim geschickt wurde, zeigt, dass die Familie trotz ihres Unbehagens an ihrer Anwesenheit ein gewisses Pflichtgefühl gegenüber der alten Frau empfand. Außerdem wurden die Kinder im Haus gebeten, regelmäßig mit ihr zu verkehren, damit sie sich nicht einsam fühlt. Doch, vielleicht wegen ihres unheimlichen Aussehens, war die Zeit, in der die Kinder wirklich mit Tante Jane zu tun hatten, die Zeit, in der die Erwachsenen sie zum Beten mitnahmen, bevor sie zu Bett gingen. Diese Zeilen machen deutlich, dass der Dichter Tante Jane nicht wirklich besuchen wollte, sondern nur ging, weil es die Erwachsenen des Hauses verlangten. Die Situation spiegelt auch die unglückliche Lage von Tante Jane wider. Für die meisten alten Menschen sind die Kinder des Hauses die Hauptquelle der Freude. Aber offensichtlich war für Tante Jane in ihrem hohen Alter nicht einmal die Freude am Umgang mit Kindern eine Option, um sich die Zeit zu vertreiben. In den letzten beiden Zeilen spielt Nowlan auf diese Tatsache an, wenn er Gott bittet, seinen Körper sterben zu lassen, bevor es seine Seele tut. Er reflektiert die Tatsache, dass Tante Jane zwar körperlich noch lebte, ihre Seele aber tot war, und das war die schlimmste Art und Weise, wie ein Mensch die letzten Jahre seines Lebens verbringen konnte.

Tante Jane ist ein sehr einfühlsames Gedicht, und jeder, der einen alten oder kranken Verwandten hatte, kann sich leicht mit der misslichen Lage von Tante Jane identifizieren. Obwohl niemand sterben will, würden die meisten von uns lieber sterben, wenn sie ein vegetabiles Leben vor sich haben, so wie der Dichter zu Gott betet, dass sein Körper vor seiner Seele sterben möge.

Zitierte Arbeit

Nowlan, Alden. “Tante Jane”. Literatur: Eine Einführung in Belletristik, Poesie und Drama. 11th ed. Eds. X.J. Kennedy und Dana Gioia. New York: Pearson Longman. Drucken.